20
Jul
2017
WLAN

BGH schafft Klarheit bei illegalem Filesharing

Mit Urteil vom 13. Juli 2017 hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden, dass im Rahmen der Ermittlung der Identität einer Person, die illegales Filesharing betrieben hat, eine einfache richterliche Anordnung ausreicht (Az. I ZR 193/16). Auch wenn der Filesharer nicht Kunde der Telekom ist, sondern mit einem zwischengeschalteten Reseller einen Vertrag abgeschlossen hat, bedarf es keiner weiteren Genehmigung. Nachdem deutsche Gerichte den in dieser Frage maßgeblichen § 101 Abs. 9 UrhG in der jüngsten Vergangenheit unterschiedlich interpretiert hatten (so etwa das Amtsgericht Rostock einerseits und das Landgericht Leipzig) andererseits), schafft der BGH mit der aktuellen Entscheidung Klarheit. » Lesen Sie mehr

2
Jul
2017
Europa

Parlamentsausschüsse kommentieren Verordnungsentwurf zu Online-Übertragungen

Am 21. Juni 2017 haben gleich zwei Ausschüsse des europäischen Parlaments ihre Stellungnahmen zu dem Verordnungsentwurf zur Wahrung der Urheberrechte und verwandten Schutzrechte in Bezug auf bestimmte Online-Übertragungen von Rundfunkveranstaltern und die Weiterverbreitung von Fernseh- und Hörfunkprogrammen noch vor der Sommerpause formuliert. Der Entwurf war im September 2016 von der europäischen Kommission präsentiert worden. Die offiziellen Stellungnahmen sind zwar noch nicht veröffentlicht. Die ersten Pressemitteilungen der beteiligten Akteure spiegeln aber bereits die Kernaspekte wieder.

Im Mittelpunkt des Verordnungsentwurfs steht vor allem die Ausweitung des aus der Kabel- und Satelliten-Richtlinie bekannten Sendelandprinzips auf Übertragungen von Rundfunksendern mittels des Internets. Nach Ansicht der Kommission sollen Fernseh- und Radiosender in Zukunft für die Ausstrahlung ihrer Inhalte in Online-Mediatheken nicht mehr wie bisher für jeden Mitgliedstaat, in dem die Inhalte abrufbar sind, Lizenzen einholen müssen. Stattdessen soll die Lizenz in einem Mitgliedstaat ausreichen, um Filme, Nachrichten etc. in der gesamten EU zum Abruf bereitzuhalten. Doch die Abstimmungen in den Ausschüssen für Kultur und für Industrie zeigen: der Vorstoß der Kommission trifft auf Widerstand. Beide Ausschüsse sprechen sich gegen eine Ausweitung des Sendelandprinzips und damit für die Beibehaltung des Territorialitätsprinzips in jetziger Form aus. » Lesen Sie mehr

11
Jun
2017

Urheberrechtsschutz für Käsegeschmack? EuGH soll entscheiden

Dieser Frage wird sich schon bald der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Rahmen eines Vorabentscheidungsverfahrens aus den Niederlanden widmen. Was auf den ersten Blick vielleicht etwas merkwürdig klingt, kann jedoch von großer Bedeutung für den Anwendungsbereich des europäischen Urheberrechts sein und enorme Auswirkungen haben.

Hintergrund

Das aktuelle Vorabentscheidungsverfahren geht auf einen Rechtsstreit in den Niederlanden zurück. Der Kläger stellt sogenannten „Heks’nkaas“ her, einen Käseaufstrich mit Kräutern, der Beklagte dagegen „Witte Wievenkaas“. Dieser kommt dem Heks’nkaas geschmacklich sehr nahe. Dies behauptet jedenfalls der Kläger und beruft sich dabei unter anderem auf Urheberrecht. Genauer gesagt trägt der Kläger vor, der Geschmack sowie der Geruch seines Heks’nkaas sei hinreichend besonders, um Urheberrechtsschutz zu genießen. Das Kopieren des Geschmacks durch den Wettbewerber stelle daher eine Verletzung seiner Rechte dar.

In erster Instanz vor der Rechtbank Gelderland wurde die Klage abgewiesen (Az.: C/05/272772 HA ZA 14-603). Während sich das Urteil im Kern nicht auf Urheberrecht stützt, machten die Richter dennoch deutlich, dass aus ihrer Sicht ein Urheberrechtsschutz des Heks’nkaas eher unwahrscheinlich sei. Das Verfahren ging sodann in die Berufung. Der Gerechtshof Arnhem-Leeuwarden erachtete es nun für angezeigt, dem EuGH zwei Fragen zur Vorabentscheidung vorzulegen, und setzte das Verfahren daher vorerst aus.

Vorabentscheidungsfragen

Der Gerechtshof Arnhem-Leeuwarden möchte zum einen wissen, ob die InfoSoc-Richtlinie 2001/29 dem Grunde nach einen urheberrechtlichen Schutz für den Geschmack von Käse zulässt. Sollte diese Frage zu bejahen sein, geht die zweite Vorlagefrage dahin, welche Voraussetzungen für einen Schutz von Geschmack erfüllt sein müssen. Bisher sind die Fragen nur auf Holländisch veröffentlicht worden.

Kommentar

Dass Käse Urheberrechtsschutz genießen könnte, drängt sich einem nicht unmittelbar auf. Dennoch ist das niederländische Verfahren nicht das erste, welches sich mit der Frage befasst, ob die sensorische Wahrnehmung eines Produkts urheberrechtlich geschützt sein kann. In Frankreich wurde vor einigen Jahren ein Streit um den Schutz des Geruchs eines Parfums vor Gericht ausgetragen. Am Ende verneinten die dortigen Richter einen Solchen Schutz, dies allerdings ohne sich an den EuGH zu wenden.

Bemerkenswert ist, dass das europäische Urheberrecht keine einheitliche Definition des urheberrechtlich geschützten Werks kennt. Insbesondere findet sich keine solche Begriffsdefinition in der InfoSoc-Richtlinie. Das hat den EuGH jedoch auch in der Vergangenheit nicht davon abgehalten, zumindest punktuell zu entscheiden, was Urheberrechtsschutz genießen kann und was nicht. Erinnert sei etwa an die Infopaq-Entscheidung von 2009 zur Schutzfähigkeit von Textpassagen, die aus elf Wörtern bestehen. Wir dürfen daher interessante Ausführungen der Luxemburger Richter erwarten, wie es um den Urheberrechtsschutz geschmackliche Wahrnehmungen bestellt ist.

10
Jun
2017
Legal

Streit um Afghanistan Papiere landet vor dem EuGH

Der Bundesgerichtshof (BGH) ist derzeit ersichtlich „vorlagefeudig“. Am 1. Juni 2017 hat er gleich zwei Verfahren ausgesetzt und zur Vorabentscheidung an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen. Neben dem Streit zwischen der Band Kraftwerk und Sabrina Setlur „Metall auf Metall“ dürfen sich die Luxemburger Richter auch mit der Frage befassen, ob sich der Staat erfolgreich auf das Urheberrecht an militärischen Lageplänen berufen kann – oder ob der Eingriff durch die Pressefreiheit gedeckt ist. Der Vorlagebeschluss vom 1. Juni 2017 trägt das Az. I ZR 139/15. » Lesen Sie mehr

9
Jun
2017

Metall auf Metall – Kraftwerk und Setlur beim EuGH angekommen

Die unter der Bezeichnung „Metall auf Metall“ berühmt gewordene Auseinandersetzung zwischen der Band Kraftwerk und Sabrina Setlur geht in die nächste Runde. In der Sache geht es um die Zulässigkeit von Sampling, also die Wiederverwertung einer Tonsequenz in einem neuen Song. Der Bundesgerichtshof (BGH) durfte sich schon mehrfach mit diesem Fall befassen. Mit Beschluss vom 1. Juni 2017 hat er das Verfahren nun ausgesetzt und dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) einige Fragen zur Vorabentscheidung vorgelegt (Az. I ZR 115/16). » Lesen Sie mehr