10
Jan
2021

Green Deal und Nationale Wasserstoffstrategie: Grüner Zugbetrieb in greifbarer Nähe

Öffentlich nachlesbar soll in Bremervörde bis Mitte 2021 die weltweit erste stationäre Wasserstoff-Tankstelle für Züge fertiggestellt werden. Die Zukunftsvision eines emissionsfreien Zugbetriebs soll mithilfe der Inbetriebnahme von mit Wasserstoff-Brennzellen betriebener Züge realisiert werden. Diese sollen in den nächsten Jahren die aktuell überwiegend mit Diesel betriebenen Züge ersetzen und damit einen klimaneutralen Personenzugverkehr ermöglichen.

Angesichts der weltweiten Anfragen bezüglich umweltfreundlicher Wasserstoffzüge wird die Frage nach innovativen und effektiven Betankungsmöglichkeiten dieser Züge immer wichtiger. Die Entwickler des Projektes in Bremervörde sehen dessen Pilotcharakter und dessen Grundlage für einen Serienbetrieb der Wasserstoffzüge.

Es gibt dabei grundsätzlich zwei Arten von Betankungsmöglichkeiten für Wasserstoffzüge: Die mobile und – seit neustem auch – die stationäre Betankungslösung.

Eine mobile Wasserstoff-Tankstelle zeichnet sich dadurch aus, dass der Wasserstoff an einem externen Ort erzeugt wird. Der Wasserstoff entsteht dabei entweder als Nebenprodukt beispielsweise eines Chemiewerks oder in einem extra zur Herstellung von Wasserstoff vorgesehenen Verfahren, insbesondere aus Erneuerbaren Energien (sog. Grüner Wasserstoff). Hierbei wird in einem Elektrolyseur Wasser mithilfe von Strom in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten. Der Wasserstoff wird anschließend in einem Kompressor verdichtet und so in einem mobilen Tankcontainer gelagert. Neuartige Verfahren, entwickelt von der Deutschen Bahn, werden es künftig ermöglichen, dass der Betankungsvorgang nicht länger als 15 Minuten in Anspruch nehmen wird. Damit wäre die Dauer der Wasserstoffbetankung vergleichbar mit einer Dieselbetankung. Diese Entwicklung würde einen wichtigen Faktor zur Herstellung der Konkurrenzfähigkeit der Wasserstoffzüge angesichts der eng getakteten Zugabfahrten des Regionalverkehrs darstellen.

Aufgrund neuester Technologieentwicklungen rückt eine zur mobilen Tankstelle alternative Lösung immer weiter in den Fokus. Mit dem Konzept der stationären Wasserstoff-Tankstelle für Passagierzüge ist eine Weltneuheit entwickelt worden. Diese soll die in vielen Teilen des Regionalverkehrs angewandte mobile Betankungslösung ersetzen. Ein großer Vorteil der stationären gegenüber der mobilen Betankung ist, dass erstere die Züge mit gasförmigem statt flüssigem Wasserstoff befüllt und damit die Züge mehr Treibstoff aufnehmen können. So sollen die Züge mit nur einer Tankfüllung am Tag auskommen und dabei bis zu 1.000 Kilometer weit fahren können.

In Bremervörde soll bis Mitte 2021 die weltweit erste stationäre Wasserstoff-Tankstelle fertiggestellt werden. An die Tankstelle angeschlossene Erweiterungsflächen sollen vor Ort für eine Wasserstofferzeugung unter dem Einsatz regenerativer Energien sorgen. 14 Züge sollen ab 2022 täglich von der Wasserstoff-Tankstelle betankt werden.

Auch im Industriepark Frankfurt-Höchst ist ein Projekt des Baus einer stationären Tankstelle für Wasserstoffzüge bereits angelaufen. Der Wasserstoff soll dabei aus dem Industriepark selbst bezogen werden und entsteht hier im Rahmen der Chlorelektrolyse als Nebenprodukt. In diesem Fall kann aber noch nicht von einer emissionsfreien Treibstoffgewinnung gesprochen werden. Von Grünem Wasserstoff kann erst dann die Rede sein, wenn der Wasserstoff mit Strom aus erneuerbarer Energie gewonnen wird.

Sowohl die Innovation der mobilen Betankungslösung als auch die neueste Erfindung einer stationären Tankstelle für Wasserstoffzüge stellen damit einen wichtigen Schritt in Richtung eines klimaschonenden Zugbetriebs dar und fördern Konkurrenzfähigkeit und damit Markthochlauf der Wasserstoffzüge.