30
Dez
2020

Mitbewerber von „Käpt’n Iglo“ darf mit gut aussehendem „Best Ager“ werben

Das LG München I hat mit Urteil vom 3. Dezember 2020 (Az.17 HK O 5744/20) entschieden, dass die Werbung eines Herstellers von Fischprodukten mit einem gutaussehenden „Best Ager“ vor maritimer Kulisse keine irreführende Nachahmung der bekannten Werbefigur „Käpt’n Iglo“ ist. Es sei einerseits naheliegend, Fischprodukte unter Verwendung maritimer Motive wie Küste, Himmel und Wetter zu bewerben. Andererseits bestünden erhebliche Unterschiede zwischen den sich gegenüberstehenden Werbegestaltungen.

Sachverhalt

Ein in Cuxhaven ansässiger Hersteller von Fischprodukten bewarb sein Sortiment mit einem gut gekleideten, vor der Küstenlandschaft Cuxhavens Konservenfisch verzehrenden, älteren Herren. Die Werbefigur war mit einem grauen dreiteiligen Anzug samt Elblotsen-Mütze und Seidenschal bekleidet und trug einen dichten weißen Vollbart. Im Hintergrund war – gut erkennbar – ein bekannter Leuchtturm Cuxhavens zu sehen.

Die Klägerin, eine Hamburger Herstellerin von Tiefkühlprodukten, sah in der Werbung des beklagten Fischprodukteherstellers eine irreführende Nachahmung ihres eigenen Werbekonzepts mit der Werbe-Ikone „Käpt’n Iglo“, die zu einer Verwechslungsgefahr führe und daher gemäß § 4 Nr. 3a UWG wettbewerbswidrig sei.

Entscheidung

Das LG München I hat die Klage abgewiesen.

Die Kammer betont zunächst das Freihaltebedürfnis hinsichtlich allgemeiner gemeinfreier Motive. Die von der Beklagten verwandte maritim gestaltete Werbung könne keine irreführende Nachahmung des Werbekonzeptes der Klägerin darstellen, weil es für Hersteller von Fischprodukten naheliegend sei, ihre Produkte werblich in einem Zusammenhang mit Küste und Meer abzubilden.

Zudem bestünden nach Auffassung der Kammer weitreichende Unterschiede zwischen den beiden Werbefiguren. Während „Käpt’n Iglo“ einen blauen Anzug mit weißem Rollkragen trage, sei die Figur der Beklagten mit einem grauen Anzug samt karierter Weste, Krawatte und Seidenschal bekleidet. Auch trage die Figur der Beklagten im Unterschied zu „Käpt’n Iglo“ keine Kapitänsmütze, sondern eine Elblotsen-Mütze, die laut dem Münchener Gericht an der norddeutschen Küste weit verbreitet sei. All dies führe dazu, dass der Verbraucher in der Werbefigur der Beklagten gerade keinen Seemann, sondern „einen distinguierten, gut situierten Herren in einem eleganten Dreiteiler mit Seidenschal“, erkenne. Auch der Umstand, dass beide Figuren einen dichten grau melierten Bart trügen, begründe keine Verwechslungsgefahr. So sei nach Auffassung der Kammer allgemein bekannt, dass die Werbung mit „Best Agern“ derzeit äußerst beliebt und verbreitet sei.

Schließlich würden der gut sichtbare Name der Beklagten sowie der Umstand, dass im Hintergrund der Cuxhavener Leuchtturm zu sehen sei, die angegriffene Werbung für den Verkehr deutlich wahrnehmbar von dem Werbekonzept der Klägerin abgrenzen.

Fazit

Mit der noch nicht rechtskräftigen Entscheidung stellt das Landgericht München I klar, dass auch Werbung, die sich großer Bekanntheit erfreut, keinen generellen Nachahmungsschutz für sich beanspruchen kann. Dies gilt insbesondere dann, wenn der Herstellername gut lesbar und der Inhalt der Werbung naheliegend ist.