15
Dez
2020

Von der Rohstoffentwicklung bis zum Recycling – EU-Kommission will „grüne“ Batterien

Batterien sind eine Schlüsseltechnologie für den Übergang zur Klimaneutralität. Sie sind von entscheidender Bedeutung für eine nachhaltige Mobilität und tragen zur Verwirklichung der Ziele des europäischen Green Deals bei.

Die EU-Kommission strebt aus diesem Grund eine Neuregelung der EU-Vorschriften für Batterien an. Am vergangenen Donnerstag, den 10. Dezember 2020, hat sie eine neue Batterieverordnung vorgestellt und setzt damit ihre erste Initiative im Rahmen der im neuen Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft angekündigten Maßnahmen um.

Die vorgeschlagene Verordnung soll ab dem 1. Januar 2022 gelten und die derzeit auf europäischer Ebene bestehende Batterierichtlinie (2006/66/EG) ersetzen. Die Batterierichtlinie regelt in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union das Inverkehrbringen sowie die Kennzeichnung, Rücknahme und Entsorgung von Batterien und Akkumulatoren, erlegt Produzenten, Verbrauchern und dem Handel diesbezügliche Pflichten auf und gibt Höchstgrenzen für in Batterien enthaltene Schadstoffe und Schwermetalle vor.

Diese bereits im Jahr 2006 erlassene Richtlinie wird jedoch den sozioökonomischen Bedingungen, den technologischen Entwicklungen, den veränderten Märkten und Verwendungen von Batterien nicht mehr gerecht. Zudem betrachtet sie schwerpunktmäßig die Verwertungsphase von Batterien und lässt bislang andere Aspekte wie die Produktions- und Nutzungsphase von Batterien, beispielsweise die elektrochemische Leistung und Haltbarkeit, die Treibhausgasemissionen oder die verantwortungsvolle Beschaffung von Batterien außer Betracht. Hier soll die neue Batterieverordnung Abhilfe schaffen. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel der EU, in Verkehr gebrachte Batterien über ihren gesamten Lebenszyklus nachhaltig, leistungsfähig und sicher zu machen.

Für die Entwicklung einer nachhaltigeren und wettbewerbsfähigeren Batterieindustrie schlägt die EU-Kommission eine Vielzahl an verbindlichen Anforderungen für Industrie-, Starter-, Traktions- und Gerätebatterien vor. Die neuen Anforderungen beziehen sich dabei auf alle Lebensphasen der Batterien. Beginnend bei der Produktion soll beispielsweise die Verwendung verantwortungsvoll beschaffter Materialien, der begrenzte Einsatz von umweltschädlichen Stoffen und ein Mindestgehalt an recyceltem Material sichergestellt werden. Den Herstellern sollen darüber hinaus umfangreiche Kennzeichnungspflichten hinsichtlich Lebensdauer, Ladekapazität, Vorhandensein gefährlicher Stoffe und CO2-Intensität der Batterien auferlegt werden. Die Einführung eines sog. „Batteriepasses“ soll dabei die Rückverfolgbarkeit und Bewirtschaftung großer Batterien ermöglichen. Ferner sind verschärfte Verpflichtungen zur Entnehmbarkeit und Austauschbarkeit von Batterien vorgesehen.

Die EU-Kommission will zudem die Mindestvorgaben zur Sammlung von Altbatterien deutlich verschärfen. So soll bereits ab 2025 das gegenwärtige Sammelziel von 45 Prozent auf 65 Prozent gesteigert werden. Ab 2030 sieht der Entwurf sogar eine Sammelquote von 70 Prozent vor. Für die Wiedergewinnung von Rohstoffen wie Kobalt, Lithium, Kupfer und Nickel soll es schließlich höhere Zielwerte geben. Zusätzlich soll die Umnutzung von Batterien aus Elektrofahrzeugen erleichtert werden, damit diese als stationäre Energiespeichersysteme genutzt oder als Energieressourcen im Stromnetz integriert werden können.

Die Kommission nimmt mit ihrem Verordnungsentwurf einen Zukunftsmarkt in den Blick. Insbesondere werden die neuen Regelungen eine Herausforderung für die Automobilindustrie darstellen. Denn die EU-Kommission erwartet eine Steigerung der weltweiten Nachfrage nach Batterien bis 2030 um das 14fache gegenüber dem Stand aus 2018, und führt dies hauptsächlich auf die steigende Elektromobilität zurück. Am 9. Dezember 2020 legte die EU-Kommission eine neue Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität vor. Darin plant die Kommission mit 30 Millionen Elektroautos und 80.000 emissionsfreien LKW auf Europas Straßen bis 2030 und kündigte die weitere Förderung emissionsfreier Fahrzeuge an.