6
Okt
2020

Der FC Bayern verliert … – allerdings nur im Urheberrechtsstreit vor dem LG München I

Der FC Bayern unterliegt in einem Urheberrechtsstreit vor dem LG München I. In dem Verfahren ging es um die Urheberrechte an einer Karikatur der ehemaligen Bayern-Profis Franck Ribéry und Arjen Robben, die – in Anlehnung an die Comic-Figuren Batman und Robin – als fußballspielende Superhelden dargestellt wurden.

Sachverhalt

Im April 2015 waren in der Münchener Allianz Arena in der Fankurve des FC Bayern zwei riesige Karikaturen der damaligen Bayern-Profis Franck Ribéry und Arjen Robben zu sehen, die als Varianten der bekannten Comic-Helden Batman und Robin dargestellt wurden. Unter der Karikatur befand sich der groß hervorgehobene Slogan: „The Real Badman & Robben“. Der Fußballclub aus der Säbener Straße fertigte später auf Vorlage der Karikatur mit ähnlichen Motiven sowie unter Verwendung des gleichen Slogans eigene Merchandise-Artikel an. Der Grafiker, der für die Karikaturen verantwortlich war, sah darin eine widerrechtliche Nachzeichnung und verklagte den FC Bayern München, da dieser die Urheberrechte des Grafikers verletzt habe.

Über die Klage des Grafikers hatte nun das LG München I kürzlich zu entscheiden (Az. 21 O 15821/19). 

Entscheidung

Das LG München I gab der Klage des Grafikers statt: Die angefertigte Zeichnung der beiden Fußballprofis Franck Ribéry und Arjen Robben stelle – zusammen mit dem Slogan „The Real Badman & Robben“ – ein schutzfähiges Gesamtwerk im Sinne des § 2 UrhG dar. Die erforderliche urheberrechtliche Gestaltungshöhe sah das Gericht dadurch als gegeben an, dass der Kläger die Charakteristika der vorbekannten Comic-Figuren Batman und Robin mit denen der bekannten Bayern-Spieler neu verwoben habe. Durch diesen schöpferischen Akt seien neue Figuren geschaffen worden, wodurch auch der urheberrechtlichen Gestaltungshöhe genüge getan sei.

Der FC Bayern hatte argumentiert, dass die Zeichnungen auf den Merchandise-Artikeln eigenständige Werke seien und der Slogan als solcher im Übrigen nicht schutzfähig sei. Diesen Gegenargumenten folgte das Gericht allerdings nicht. Das Gericht führte hierzu aus, die auf den Merchandise-Artikeln verwandte Zeichnung übernehme gerade die wesentlichen den Gesamteindruck prägenden Merkmale der Zeichnung des Klägers. Zudem wurde auch der Slogan wortgleich übernommen. Im Ergebnis sah das LG München I daher die Urheberrechte des Grafikers als verletzt an.

Fazit

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der FC Bayern kann noch Berufung einlegen. Sollte das Urteil allerdings rechtskräftig werden, könnte der Grafiker Auskunft über den Gewinn verlangen, den der Verein mit den Merchandise-Artikeln gemacht hat, und einen entsprechenden Schadensersatz geltend machen.

Das Urteil zeigt auf, dass die Benutzung von „Vorlagen“ für die eigenen Produkte aufgrund von etwaig bestehenden Urheberrechten kostspielige Schadensersatzforderungen zur Folge haben kann. Denn je größer der individuelle schöpferische Ausdruck im Werk zum Tragen kommt, desto größer ist auch der Schutzumfang des Werks. Entsprechend kann es auch, wie im vorliegenden Fall, trotz (kleinerer) Änderungen am Werk zu einer Verletzung von Urheberrechten kommen.