14
Feb
2020

Werbeplakat für Musical-Show: Tina-Turner-Double sieht Tina Turner zu ähnlich…

Mit Urteil vom 22. Januar 2020 (28 O 193/19) hat das LG Köln einer Veranstaltungsfirma untersagt, mit dem Namen und einem vermeintlichen Bild der Sängerin Tina Turner für die Show „Simply the Best – die Tina Turner Story“ zu werben. Das für das Plakat abgelichtete Tina-Turner-Double sei Tina Turner schlichtweg zu ähnlich.

Sachverhalt

Die beklagte Veranstaltungsfirma warb auf Plakaten für die Tribute-Show „Simply The Best – Die Tina Turner Story“, in der Leben und Karriere der Sängerin nachgezeichnet werden. Darauf zu sehen war u.a. ein Bild der auftretenden Sängerin, einem Double, mit einer Perücke. Tina Turner hatte für die Verwendung dieses Bildes keine Zustimmung erteilt. Sie kritisierte, die Frau auf den Plakaten sei ihr zu ähnlich; man könne den Eindruck gewinnen, sie werde selbst auftreten. Dieser Eindruck werde noch verstärkt durch verwendete Werbemittel, in denen es u.a. heiße: „Die Rockdiva hautnah erleben: das Erfolgsmusical um Tina Turner geht auch 2019 wieder auf große Tournee…“ oder „Zum 80. Geburtstag auf großer Tour:…“.

Entscheidung

Das LG Köln hat der Klage Turners stattgegeben. Der Klägerin stehe gegen die Beklagte ein Anspruch auf Unterlassung hinsichtlich der Nennung ihres Namens und der öffentlichen Zurschaustellung ihres Bildnisses in der streitgegenständlichen Werbung gemäß §§ 1004 Abs. 1 S. 2, 823 Abs. 1 BGB i.V.m. Art. 2 Abs. 1, 1 Abs. 1 GG bzw. aus den §§ 1004 Abs. 1 S. 2, 823 Abs. 2 BGB i.V.m. § 22 KUG bzw. gemäß § 12 S. 2 BGB zu.

Durch die Verwendung des Namens und eines vermeintlichen Bildes von Tina Turner könne der Eindruck vermittelt werden, die bekannte Sängerin wirke an der beworbenen Show mit oder trete gar selbst auf. Es handele sich jedoch um die Werbung für eine Tribute-Show; auftreten werde lediglich eine Doppelgängerin. Bei der verwendeten Fotografie handele es sich um ein Bildnis der Klägerin im Sinne von § 22 S. 1 KUG, obwohl es – unstreitig – das Foto eines Doubles sei. Es reiche aus, wenn die Erkennbarkeit einer Person für einen mehr oder minder großen Personenkreis gegeben sei, den der Betroffene nicht mehr ohne weiteres selbst unterrichten könne. Ein Bildnis einer Prominenten könne auch dann vorliegen, wenn durch eine „Doppelgängerin“ der Eindruck erweckt werde, es handele sich um die Person der Prominenten selbst.

Grundsätzlich seien die Werbemaßnahmen für entsprechende Tribute-Shows zwar von der Kunstfreiheit gedeckt. Die konkrete Gestaltung jedoch erwecke für den Betrachter zumindest im ersten Moment den – falschen – Eindruck, die Künstlerin würde selbst an dieser Show mitwirken. Im Rahmen der gebotenen Abwägung überwögen die berechtigten Interessen Turners im Hinblick auf ihr Recht am eigenen Namen und Bild gegenüber der Kunstfreiheit der Veranstaltungsfirma.

Fazit

Das Urteil zeigt exemplarisch – und für Unbeteiligte durchaus unterhaltsam – die möglichen rechtlichen Risiken im Bereich der Werbung für Tribute-Veranstaltungen. Diese erfreuen sich bisweilen großer Beliebtheit. Veranstalter entsprechender Shows werden die rechtlichen Rahmenbedingungen von Werbemaßnahmen in Zukunft noch genauer im Blick haben müssen. Ist das Prominenten-Double ein scheinbares Original, wird es jedenfalls gefährlich…