1
Mrz
2019

Blockchain-Technologie & Supply Chain: A Winning Team?

Seit Beginn des Jahres wickelt die Saudische Zollbehörde zusammen mit dem Joint & Venture TradeLens (IBM und Maersk) Zollangelegenheiten mit Hilfe der Blockchain-Technologie ab [hier finden Sie mehr]. Dies überrascht aufgrund der vielen Vorteile der Blockchain-Technologie gegenüber dem herkömmlichen Verfahren nicht.

Überall dort, wo eine große Anzahl von Informationen und Daten für viele Beteiligte zugänglich gemacht und von diesen genutzt werden soll, eignet sich der Einsatz der Blockchain-Technologie, um eine lästige, teure und ineffiziente Papierdokumentationen abzulösen. Auch vom Weltwirtschaftsforum wurde beispielsweise der Vorteil des papierlosen Handels festgestellt. So kann die Blockchain-Technologie im Falle der internationalen Transportwirtschaft beispielsweise ganz erheblich die Zollangelegenheiten vereinfachen und zeigt damit, wie eine smarte Logistik aussehen könnte.

In der internationalen Transportwirtschaft wird eine Vielzahl an Dokumenten zum Transport und Handel von Waren benötigt. So können beispielsweise im internationalen Seeverkehr ohne weiteres mehrere hundert Dokumente notwendig werden, um ein Produkt von Asien nach Europa zu transportieren (unter anderem Konnossements, Frachtbriefe, Zertifikate oder Angaben über Art, Menge sowie Herkunft der Ware). Diese Dokumente müssen teilweise zusammen mit der Ware transportiert und immer zum richtigen Zeitpunkt bei der richtigen Person und/oder in der richtigen Behörde vorgelegt werden. Dies führt laut einer Pressemitteilung von IBM und Maersk dazu, dass ca. 1/5 der tatsächlichen physischen Transportkosten für die Ausfertigung und Bereitstellung der Transportdokumente anfällt.

Die Blockchain-Technologie kann hier einen möglichen Ausweg bieten: Transportdokumente werden auf der Blockchain verfälschungssicher hinterlegt. Alle beteiligten Akteure, also der Exporteur, der Importeur, der Frachtunternehmer, die Transportunternehmer für An- und Abtransport aus dem Hafen und die unterschiedlichen (berechtigten) Behörden erhalten Zugriff auf diese Blockchain und können die hinterlegten Dokumente prüfen und freigeben. Auf diese Weise vereinfacht sich nicht nur die Bearbeitung und der Austausch der Dokumente in Echtzeit, sondern es wird darüber hinaus die Transparenz erhöht. Es ist jederzeit ersichtlich, wie der Bearbeitungsstand ist und wo sich die Ware befindet. Dies erhöht die Planungssicherheit innerhalb der Supply Chain.

Neben der Nachweisfunktion kann über die Blockchain auch die eigentumsrechtliche Zuordnung der Ware jederzeit festgestellt werden. Dabei wird für die Ware (in diesem Falle für das Indossament) ein virtueller Token erstellt. Dieser Token repräsentiert die Ware auf der Blockchain. Er kann von einem User der Blockchain auf einen anderen übertragen werden. Trotz einer großen Anzahl an potentiellen Transaktionen kann mittels der Blockchain-Technologie immer eindeutig zugeordnet werden, wer gerade Eigentümer des Tokens und damit der Ware ist. Dies funktioniert natürlich nur soweit sich alle Parteien auf derselben Blockchain befinden.

Problematisch wird dies jedoch dann, wenn die einmal aufgenommenen Transaktionen rückabgewickelt werden müssen, beispielsweise weil ein Mangel an der Ware festgestellt wird, eine auflösende Bedingung eingetreten ist oder eine der Parteien insolvent geworden ist. Außerdem lassen sich rechtliche und tatsächliche vertragliche Bedingungen nur schwer abbilden.

Darüber hinaus besteht eine Hürde darin, verschiedene „Blockchain“ miteinander zu verbinden oder die darauf befindlichen Token an Personen zu übertragen, die nicht User der jeweiligen Blockchain sind. Soweit nicht alle am Transport beteiligten Akteure auf einer gemeinsamen Blockchain aktiv sind, müssen also Schnittstellenproblematiken gelöst werden. Dies ist derzeit nur möglich, indem die Ware „offline“ übertragen und dann neu in die gewünschte Blockchain integriert wird. Soweit Behörden nicht an diesem Verfahren teilnehmen müssen die Papiere auch weiterhin als hard-copy vorgehalten und bereitgestellt werden.

Schließlich bestehen in Deutschland regulatorische Bedenken. Gleichwohl wurden im deutschen Handelsgesetzbuch bereits Normen geschaffen (§§ 443 Abs. 3, 475c Abs. 4, 516 Abs. 2 HGB), welche digitale Schriftstücke einem Dokument in Papierform gleichstellen und somit als Wegbereiter für die Verwendung der Blockchain-Technologie fungieren können.

Aufgrund dieser Hürden bleibt daher abzuwarten, ob sich weitere Zollbehörden dem saudischen Beispiel anschließen und sich die Blockchain dauerhaft im internationalen Transportwesen etabliert.