21
Sep
2018

Blockchain & Project Finance?

Die Weltbank startet ersten weltweiten Blockchain Bond mit 100 Millionen AU$

Geschäftliche Transaktionen finden in jeder Sekunde eines jeden Tages statt. Gerade in einer so schnelllebigen und globalen Welt könnten neue Technologien wie die Distribute Ledger Technology (DTL), bei der Transaktionen innerhalb eines Computernetzwerkes automatisch und ohne Intermediär, geprüft, validiert und ausgelöst werden,und Blockchain eigentlich zu mehr Sicherheit und Transparenz führen.

Doch in den letzten Monaten hat die Blockchain-Technologie auch immer wieder einmal für negative Berichterstattung gesorgt. In Deutschland kam es im April 2018 zum einem weithin beachteten Ereignis für die Fintech- und Krypto-Szene: Nachdem das Frankfurter Fintech Savedroid lange als Vorzeige-Finanz-Startup galt, verlor dessen Token (eine Art Gutschein für künftige Dienstleistungen) an seinem ersten Handelstag 85% seines ursprünglichen Wertes [hier dazu mehr]. Der Krypto-Börsengang (ICO, initial coin offering) führte zu hohen Verlusten für die Anleger. Ursächlich für das Desaster war die als PR-Gag geplante Meldung, der Gründer habe sich mit dem Geld der Investoren (laut eigenen Angaben ca. 40 Mio. Euro) abgesetzt. Bis heute konnte sich das Token von diesem negativen Trend nicht erholen. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt gegen Savedroid.

Obwohl ICOs an die bekannten IPOs (initial public offering, Börsengang) erinnern, warnt zunehmend auch die Finanzaufsicht BaFin die Investoren: Ein Totalverlust auf Seiten der Anleger sei möglich und der unregulierte Börsengang biete Raum für Betrüger.

Dass es aber auch positive Entwicklungen im Bereich dieser spannenden Technologien gibt, zeigt die Entscheidung der Weltbank, einen Blockchain Bond zu starten. Mit der Weltbank setzt nun erstmals ein großer Player im Bereich der Projektfinanzierung auf die Distributed Ledger Technology.

Bei dem neu aufgesetzten Bond handelt es sich um den weltweit ersten Bond, der mittels Distributed Ledger Technology errichtet, bemessen, transferiert und geleitet wird. Der zweijährige sog. „bond-i“-Bond, der für „blockchain operated new debt instrument“ steht, wurde ausschließlich von der australischen Commonwealth Bank (CBA) eingerichtet. Die erste Finanzierungsrunde beläuft sich auf 100 Mio. AU$ und wird von der Weltbank für die Finanzierung nachhaltige Entwicklungsprojekte genutzt.

Dieser Bond ist Teil eines umfassenderen strategischen Zieles der Weltbank, das Potential solch bahnbrechender Technologien für Entwicklungsprozesse nutzbar zu machen. In diesem Rahmen wurde im Juni 2017 auch ein Blockchain Innovation Lab gegründet. Damit sollen die möglichen Auswirkungen von Blockchain und anderen disruptiven Technologien in Bereichen wie z.B. der Bodenverwaltung, des Supply Chain Managements oder der Gesundheits- und Bildungsbranche, bei grenzüberschreitenden Zahlungen und für den Handelsmarkt von Karbon untersucht werden.

Laut der Weltbank war der Bond nicht nur für Banken und Fondsmanager, sondern auch für offizielle Institutionen von großem Interesse. So finden sich unter den Investoren neben der CBA z.B. die Northern Trust und SAFA, die NSW Treasury Corporation und Treasury Corporation of Victoria. Dank dieser Investoren ist es nun möglich, das theoretische Konzept in die Praxis umzusetzen und so der Technologie auf dem Kapitalmarkt zu neuem Aufschwung zu verhelfen.

Darüber hinaus ist die Blockchain-Technologie mittlerweile auch in der Realwirtschaft angekommen. So haben jüngst Maersk und IBM den Entschluss verkündet, ein neues Joint Venture zu gründen [hier dazu mehr]: Das neue Unternehmen soll durch die Verwendung von Blockchain-Technologie effizientere und sicherere Methoden für den weltweiten Handel bieten. Es soll eine digitale, transparente Plattform für den globalen Handel zur Verfügung gestellt werden, der v.a. auf das weltweite Schifffahrtsökosystem zugeschnitten ist. Mittels Blockchain sollen im jeweiligen Netzwerk gemeinsame unveränderbare Aufzeichnungen zu allen Transaktionen und erforderliche Dokumente (z.B. für den Zoll) hinterlegt werden. Ziel ist es, damit den bürokratischen Aufwand und die Transaktionskosten ganz erheblich zu reduzieren.

Mit Spannung kann insoweit beobachtet werden, ob sich die Blockchain auch bei der globalen Supply Chain als eine führende Technologie zur Erschließung des Marktes etablieren kann.