16
Jan
2018
Fussball

Aufatmen in der Fußballwelt – BAG schickt Mainzer Torwart in Rente

Das Bundesarbeitsgericht hat heute in einem Grundsatzurteil festgestellt, dass Profi-Fußballer weiterhin für die Dauer ihrer sportlichen Karriere auf Basis zeitlich befristeter Arbeitsverträge angestellt werden können. Geklagt hatte der langjährige Mainzer Torwart Heinz Müller gegen seinen früheren Arbeitgeber, den FSV Mainz 05.

Sachverhalt: Heinz Müller (geboren 1978) war seit 2009 als Profi-Fußballtorwart beim FSV Mainz 05 angestellt. Er bezog ein jährliches Grundgehalt in Höhe von EUR 420.000 brutto zzgl. Prämien, z.B. für Einsätze in der 1. Bundesliga. Nach einer kleinen Verletzung im Winter 2014 setzte der Trainer vom FSV Heinz Müller auch nach dessen Genesung nicht mehr in der 1. Bundesliga ein. Sein Arbeitsvertrag war befristet bis zum 30.6.2014. Heinz Müller wehrte sich gegen die Befristung seines Arbeitsvertrags. Er machte geltend, dass die Befristung unwirksam gewesen sei. Eine sachgrundlose Befristung sei über einen so langen Zeitraum nicht möglich. Ein Sachgrund für die Befristung sei auch nicht gegeben. Damit bestehe sein Arbeitsverhältnis mit dem FSV unbefristet fort.

Entscheidung: Das BAG hat Entwarnung gegeben: Die Spitzen-Fußballvereine können weiterhin befristete Arbeitsverträge mit ihren Spielern für die Dauer ihrer sportlichen Karriere abschließen. Der Sachgrund der „Eigenart der Arbeitsleistung“ (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 TzBfG) rechtfertige die bislang (international) übliche Praxis, nur befristete Arbeitsverträge abzuschließen. Danach werden im Spitzen-Fußballsport von einem Lizenzspieler im Zusammenspiel mit der Mannschaft sportliche Höchstleistungen erwartet und geschuldet. Ein Fußballspieler könne diese Leistungen nur für eine begrenzte Zeit erbringen. Die Vorinstanz hat dies genauso gesehen und als Begründung die Unsicherheit in der sportlichen Entwicklung und die Gefahr einer erheblichen Verletzung des Spielers angeführt. Diese führe dazu, dass bei Abschluss des Arbeitsvertrages nicht sicher sei, wie lang der Spieler einsatzfähig bleibt. Zudem müssen die Vereine aus Wettbewerbsgründen eine ausgewogene Altersstruktur in ihrem Spielerkader haben. Außerdem dürfe nicht außer Acht gelassen werden, dass das Publikum ein Bedürfnis nach Abwechslung und neuen Leistungsträgern in der Mannschaft habe. Nicht zuletzt müsse die Branchenüblichkeit in der 1. und 2. Bundesliga und das außergewöhnlich hohe Einkommen der Spieler in die Entscheidung einfließen.

Praxistipp: Die Grundsätze der Entscheidung des BAG lassen sich weit über die Fußballwelt hinaus übertragen. Denn das BAG hat den Anwendungsbereich des gesetzlichen Befristungsgrundes der „Eigenart der Arbeitsleistung“ (§ 14 Abs. 1 S. 2 Nr. 4 TzBfG) ausgeweitet. Bislang war dieser Grund vor allem im Bereich des Rundfunks mit programmgestaltenden Mitarbeitern und im Bereich der Kunst mit angestellten Künstlern anerkannt. Grund hierfür ist die durch Art. 5 Abs. 1 S. 2 GG geschützte Rundfunkfreiheit und die durch Art. 5 Abs. 3 S. 1 GG hervorgehobene Kunstfreiheit. Nunmehr hat das BAG bestätigt, dass ein Grund für die Befristung eines Arbeitsvertrages vorliegen kann, wenn ein Arbeitnehmer die geschuldete Arbeitsleistung aufgrund körperlichen Verschleißes nur für einen begrenzen Zeitraum erbringen kann.