2
Jan
2018
Kamera

Bestseller-Paragraph: Kameramann von „Das Boot“ erhält € 588.000 als Nachvergütung

Erfolg zahlt sich aus. Auf diesem Motto basiert der sogenannte „Bestseller-Paragraph“ des deutschen Urheberrechts. Stehen die Vergütung des Urhebers und die mit dem geschaffenen Werk erzielten Erlöse in einem „auffälligen Missverhältnis“ zueinander, so kann der Urheber eine Nachvergütung in angemessener Höhe verlangen. Eine solche hat das Oberlandesgericht OLG München nun dem Kameramann des von Regisseur Wolfgang Petersen gedrehten Filmklassikers „Das Boot“ zugesprochen. Er erhält € 588.000. Damit haben die Richter ihm mit dem am am 21. Dezember 2017 verkündeten Urteil ein durchaus stattliches „Weihnachtsgeschenk“ bereitet (Az. 29 U 2619/16). Dem Kameramann wurde auch ein Anspruch auf künftige Beteiligung an den Nettoerlösen sowie eine Vergütung für künftige Ausstrahlungen im Fernsehen zugesprochen.

Hintergrund

Der preisgekrönte Spielfilm „Das Boot“ wurde in den Jahren 1980/81 gedreht und wird seitdem regelmäßig im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Chefkameramann des Films war Jost Vacano. Dieser wurde seinerzeit unter anderem für seine Leistung für den Oscar in der Kategorie Beste Kamera nominiert und erhielt den Deutschen Kamerapreis und die Goldene Kamera. Die damalige Vergütung des Kameramanns betrug ca. € 100.000. Sie wurde gezahlt als Pauschale für dessen Leistung über rund anderthalb Jahre Drehzeit hinweg.

Aufgrund des großen Erfolgs des Films (u. a. sechs Oscar-Nominierungen), der einen entsprechend hohen Gewinn nach sich zieht, verlangte der Kameramann die Zahlung einer angemessenen Nachvergütung. Er stützte sich dabei auf den bereits erwähnten Bestseller-Paragraph § 32a UrhG, der allerdings erst im Jahr 2002 in das deutsche Urheberrecht eingeführt wurde. Hiernach kann ein Urheber, der ein Nutzungsrecht zu Bedingungen eingeräumt hat, die dazu führen, dass die vereinbarte Gegenleistung unter Berücksichtigung der gesamten Beziehung des Urhebers zu dem anderen in einem auffälligen Missverhältnis zu den Erträgen und Vorteilen aus der Nutzung des Werks steht, die Einwilligung des anderen verlangen, den Vertrag im Hinblick auf eine angemessene Beteiligung zu ändern. Genau darauf klagte Jost Vacano.

Prozessgeschichte

Der Streit zwischen Vacano und der Produktionsfirma Bavaria Film, deren Tochterfirma Eurovideo und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) zog sich über zwölf Jahre hin und führte die Parteien bis zum Bundesgerichtshof. Dieser entschied 2011 dem Grunde nach für den Kameramann (Az. I ZR 127/10). Das Landgericht München sprach Herrn Vacano daraufhin im Jahr 2016 eine Nachvergütung in Höhe von € 475.000 Euro zu (Az. 7 O 17694/08). Der Anspruch auf die Zinsen nicht gezahlter Beteiligungen an den Erlösen wurde vom Landgericht jedoch verneint. Hiergegen gingen sowohl der Kameramann als auch die Beklagten in Berufung.

Urteil

Auch das Oberlandesgericht München hat nun ein auffälliges Missverhältnis zwischen den erzielten Erträgen und Vorteilen der Beklagten und der Vergütung des Klägers bejaht. Dabei haben die Richter Jost Vacano auch einen Anspruch auf Zinsen zugesprochen. Entscheidend sei, dass die ursprüngliche Vergütung zum Zeitpunkt der Einführung des § 32a UrhG im Jahr 2002 „noch nicht verbraucht“ war. Die Zinsen belaufen sich laut Oberlandesgericht München auf etwa € 150.000.

Zudem stehen dem Chefkameramann 2,25% an den künftigen Nettoerlösen zu. Auch zukünftige Fernsehausstrahlungen müssen entsprechend der tarifvertraglichen Regelungen des WDR vergütet werden. Doch auch die Filmherstellerin kann einen kleinen Erfolg verbuchen. Von dem erstinstanzlich ausgesprochenen Betrag wurden € 42.000 abgezogen.

Kommentar

Die grundsätzlichen Leitlinien für die Anwendung des Bestseller-Paragraph hat der Bundesgerichtshof in seinen Entscheidungen Das Boot vom 22. September 2011 (Az. I ZR 127/10) und Fluch der Karibik vom 10. Mai 2012 (Az.: I ZR 145/11) vorgegeben. Detailfragen zur Rechtsanwendung waren und sind jedoch weiterhin offen. Hier bietet das jüngste Urteil aus München weitere Klärung. Dies gilt insbesondere für die Frage der Verzinsung. Ein Risiko verbleibt bei der Geltendmachung einer angemessenen nach Vergütung nach § 32a UrhG gleichwohl. Denn die Frage, dies immer wieder neu zu beantworten gilt, ist die nach dem auffälligen Missverhältnis zwischen erhaltene Vergütung und erzielten Erlös. Erst wenn dieses festgestellt ist, kann um die „richtige“, weil angemessene, Nachvergütung gerungen werden.