7
Nov
2017
Fallschirm

Die US-Steuerreform nimmt Fahrt auf

Die lange angekündigte Steuerreform in den USA wird jetzt konkret. Am 3. November haben die Republikaner im Repräsentantenhaus einen Vorschlag veröffentlicht, der zu wesentlichen Änderungen des US-Steuersystems führen würde. Wann diese Reform in Kraft treten könnte, ist offen. Wahrscheinlich wäre der Beginn der Jahre 2018 oder 2019.

 

Die bedeutendsten Änderungen für US-Körperschaften:

  • Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes von 35 % auf 20%
  • Sofortabschreibung für materielles Anlagevermögen bis 2022, mit Ausnahme von Gebäuden
  • Einführung einer Zinsschranke, die in den Grundzügen mit der in Deutschland geltenden Regelung vergleichbar wäre

Die wichtigsten Änderungen für Konzerne mit Sitz in den USA:

  • Abkehr von der Besteuerung des weltweiten Einkommens von in den USA ansässigen Konzernen hin zu einer territorialen Besteuerung, die grundsätzlich auf das in den USA erwirtschaftete Einkommen beschränkt ist
    • Volle Steuerbefreiung für Dividenden von ausländischen Tochtergesellschaften
    • Möglichkeit bisher im Ausland verwahrte Gewinne von ausländischen Tochtergesellschaften unter Anwendung eines 12 %-Steuersatzes in die USA zu transferieren
  • Anti-Base-Erosion-Regelung, wonach es doch zu einer Besteuerung von Einkünften ausländischer Tochtergesellschaften in den USA kommen kann, soweit deren Einkünfte bezogen auf ihr materielles Anlagevermögen bestimmte Grenzen überschreiten (“foreign high returns”)
    • Der US-Steuersatz auf die foreign high returns würde 10 % betragen
    • Die Anrechnung ausländischer Steuern auf die US-Steuer würde stark eingeschränkt

Die wichtigste Änderung für Konzerne mit Sitz außerhalb der USA:

  • Einführung einer indirekten Steuer auf Zahlungen von US-Tochtergesellschaften an ausländische Konzerngesellschaften mit einem Steuersatz von 20 %, soweit die Zahlungen aus den USA pro Jahr mindestens 100 Mio. USD betragen und in den USA (i) steuerlich gewinnmindernd geltend gemacht werden können (außer Zinszahlungen), (ii) zu den Kosten von Vorräten oder (iii) den Kosten von Anlagegütern gehören (“earnings stripping” Regelung)

Bewertung

Sollten diese Änderungen umgesetzt werden, könnte es zu einer deutlichen Zunahme von M&A Aktivitäten in den USA kommen. Die Herabsetzung des Körperschaftsteuersatzes um 15 Prozentpunkte würde US-Unternehmen als Übernahmeziele attraktiver machen. Die steuerlich erleichterte Überführung von bisher im Ausland geparkten Gewinnen könnte die Geldkoffer der US-Konzerne für nationale, aber auch internationale Übernahmen füllen.

Durch die Besteuerung des globalen Einkommens wurden die weltweiten Gewinne von US-Konzernen bisher (zumindest grundsätzlich) auf das hohe US-Körperschaftsteuerniveau hochgeschleust. Die Einführung einer territorialen Besteuerung mit der weitgehend steuerfreien Repatriierung von Gewinnen, die in Europa üblich ist, wäre deshalb aus Sicht der US-Unternehmen positiv.

Dagegen könnten die Anti-Base-Erosion-Regelung und die Einführung einer indirekten Steuer auf Zahlungen von US-Tochtergesellschaften an ausländische Konzerngesellschaften international tätige Unternehmen erheblich belasten. Neben der zusätzlichen Steuerbelastung wäre wohl auch der bürokratische Aufwand erheblich, denn beide Regelungen würden umfangreiche Dokumentationen und Erklärungen erfordern.

Interessant ist auch, dass die deutsche Zinsschranke sich zu einem echten Exportschlager entwickelt, obwohl sie in Deutschland nach wie vor sehr umstritten ist. Nach der EU-weiten Zinsschranken-Regelung als Teil der Anti-Tax-Avoidance-Richtlinie führen jetzt möglicherweise auch die USA eine Zinsschranke ein, die mit einer grundsätzlichen Beschränkung des Zinsabzugs auf 30 % des EBITDA dem deutschen Vorbild ähnelt.

Ausblick

Ob die US-Steuerreform nach dem Vorschlag des Repräsentantenhauses umgesetzt wird und ob es überhaupt zu einer größeren Steuerreform in den USA kommen wird, ist derzeit vollkommen offen. Unternehmen, die in den USA tätig sind, sollten die Entwicklung genau beobachten und die möglichen Auswirkungen der Reform auf ihr Geschäftsmodell prüfen.

Eine weitergehende englischsprachige Analyse der US-Steuerreform finden Sie hier (2017_11_02_U.S._Tax_Reform_Alert).