21
Sep
2017
shutterstock_134417726

Pay-per-use – Disruptives Geschäftsmodell für den Anlagen- und Maschinenbau?

Die Digitalisierung des Anlagen- und Maschinenbaus ermöglicht viele neue Geschäftsfelder. Betreffen die meisten dieser Industrie 4.0-Geschäftsmodelle Serviceanbieter der IT-Branche (beispielsweise Softwareentwickler, Softwareprovider, Datenverarbeiter, Serviceprovider, Web- und App-Designer), bestehen auch für Anlagen- und Maschinenbauer vielfältige neue Wertschöpfungsmöglichkeiten. Allen voran stehen dabei Infrastructure as a Service oder pay-per-use/ pay-per-hour Modelle. Durch diese neuen Geschäftsmodelle werden die klassischen Leistungen des Anlagen- und Maschinenbauers hin zu IT-basierten Services verschoben.

Im Rahmen des pay-per-use Geschäftsmodells verzichtet der Hersteller auf den Verkauf eines Bauteils oder einer Maschine. Er stellt vielmehr die Anlageninfrastruktur oder die Maschine als Dienstleistung gegen ein Serviceentgelt zur Verfügung. So könnte beispielsweise der Hersteller einer Kraftwerksturbine eine Vergütung nur pro absolvierte Betriebsstunde der Turbine erhalten. Dieser life-cycle-basierte Ansatz verlagert hierbei das Wartungs- und Betriebsrisiko im Rahmen der vereinbarten Verfügbarkeiten auf den Anlagen- und Maschinenbauer.

Gerade für den Anlagen- und Maschinenbauer könnte ein pay-per-use Modell aber einige Vorteile bieten. Zum einen könnte er sein gesamtes Fertigungs-Know-how in den Betrieb der Anlage einfließen lassen und Synergien effizient nutzen. Zum anderen könnte er aus dem Betrieb einer größeren Anzahl von Anlagen Informationen gewinnen. Durch die Analyse der Daten (Big Data) aus der Flottensteuerung könnte ein sogenanntes predictive maintenance, also der vorausschauenden Wartung aufgrund pathologischer Maschinendaten, etabliert werden. Gerade die ungeplanten Wartungen könnten auf diesem Wege reduziert werden. Dadurch könnte der Anlagenbauer im Ergebnis mehr Betriebsstunden erreichen, als dies beispielsweise einem “analogen” Anlagenbetreiber möglich wäre.

Durch sein umfassendes Produktverständnis kann der Anlagen- und Maschinenbauer zudem ein betriebsorientiertes Vergütungsmodell entwickeln. Die so erreichte Kostentransparenz könnte insbesondere auch kundenseitig für den Einsatz eines solchen Modells sprechen. Der Kunde zahlt nur für die angefallenen Betriebsstunden, sodass er sein Kapital sehr effizient einsetzen kann. Von der damit einhergehenden Kundenzufriedenheit profitiert auch der Anlagen- und Maschinenbauer. Eine Verknüpfung des pay-per-use Geschäftsmodells mit weiteren Möglichkeiten der Digitalisierung (beispielsweise Smart Contracts oder der Distributed Ledger Technologie (beispielsweise Ethereum oder Blockchain) ermöglicht zudem eine transparente und verfälschungssichere Dokumentation des Betriebs. Darauf aufbauend könnte eine Vergütung in Echtzeit erfolgen.

Vor dem Hintergrund potentiell hoher Schäden, muss sich hier jedoch eine angemessene Risikoallokation am Markt entwickeln. Daher ist zu erwarten, dass die Anlagen- und Maschinenbauer derartig neue Geschäftsmodelle zunächst mit kleineren Einheiten und überblickbarem Risiko erproben. Dies kann jedoch auch Chancen für die “early birds” bedeuten.