13
Sep
2017
Netzwerk

Blockchain – eine Lösung für die Elektromobilität?

Macht die Blockchain-Technologie neue Wege frei im Bereich der Elektromobilität? Können dezentrale, über ein breites Netzwerk gesteuerte Abläufe nutzbar gemacht werden, um die individuelle Mobilität auf der Straße auf elektrifizierte Fahrzeuge und nachhaltige Energieressourcen umzustellen? Diese Fragen sind der Anknüpfungspunkt des nachfolgenden Beitrags unserer Reihe zum Thema Blockchain. Denn neben den sogenannten Smart Contracts, mit welchen wir uns im letzten Blogbeitrag befasst haben, zeigt auch die Elektromobilität Optionen auf, wie technische Innovation und intelligente Abrechnungsprozesse via Blockchain einen entscheidenden Mehrwert bieten können.

Elektromobilität

Im Allgemeinen bezeichnet Elektromobilität (auch E-Mobilität oder E-Mobility) die Nutzung von elektrifizierten Fahrzeugen für die individuelle Mobilität. Sie setzt auf eine Antriebsform jenseits oder in hybrider Ergänzung des Verbrennungsmotors und basiert auf der Speicherung von Energie in in dem Fahrzeug verbauten Speichern (Batterien). Die Elektromobilität gilt damit als zentrales Element eines nachhaltigen und klimaschonenden Verkehrssystems auf Basis erneuerbarer Energien. Neben dem primären Vorteil – der lokalen Abgas-Emissionsfreiheit – ergeben sich jedoch auch kundenrelevante Nachteile. Hier ist in erster Linie die nach wie vor im Vergleich zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor eingeschränkte Wegstrecke, die man mit einem Elektrofahrzeug mit einer Tankfüllung fahren kann. Dies liegt je nach Modell und Fahrstil bisweilen nur bei 100 Kilometer. Auch die Ladezeit fällt derzeit noch negativ ins Gewicht. Es gilt daher, abseits von Wohnung und Arbeitsplatz – wo das Fahrzeug im Regelfall längere Zeit an Ort und Stelle steht und somit geladen werden kann – eine Infrastruktur zu schaffen, die ein kontinuierliches Aufladen der Batterien des Fahrzeugs ermöglicht.

Wo könnte Blockchain ins Spiel kommen?

Auch kurzfristiges Aufladen in der Peripherie will bezahlt werden. Die Betreiber der Ladestationen müssen schließlich den Aufbau und Betrieb der Infrastruktur finanzieren. Dies muss sich lohnen. Hier entstehen derzeit interessante Konzepte.

RWE und Slock.it setzen beispielsweise gemeinsam mit weiteren Partnern bereits auf eine Blockchain-basierte Technologie. Bereits vor einiger Zeit begannen die Partner damit, ein einheitliches, kostengünstiges und unabhängiges System für die Bezahlung an Ladestationen für Elektroautos zu schaffen. Nachdem der Prototyp des automatischen Lade- und Bezahlkonzepts Blockcharge im Oktober 2016 die Beta-Phase abgeschlossen und im April dieses Jahres die ersten Ladesäulen umgestellt wurden, soll nun die sogenannte „Car eWallet“ Bezahlvorgänge vereinfachen. Dabei setzen die Entwickler auf die Ethereum-Blockchain. Sie wollen dem Verwender so eine „on-the-go“-Bezahlung der Ladegebühren ermöglichen.

Das Konzept vereint – grob gesprochen – drei Industriezweige in einer einzigen P2P-Transaktion: den Stromanbieter, den Finanzdienstleister und den Automobilhersteller. Nach dem Online-Transfer vom heimischen PC oder mittels einer speziellen App seitens der Nutzer ist die Car eWallet autorisiert, nach einem Ladevorgang Zahlungen bis zu einem bestimmten Limit eigenständig durchzuführen. Gleichzeitig kann sie Zahlungen entgegennehmen. Für die Nutzung der einzelnen Ladestation im System ist keine gesonderte Registrierung mehr erforderlich. Sobald die Verbindung zur Ladestation hergestellt ist, werden die Fahrzeugbatterien geladen und die Gebühren automatisch über die Car eWallet bezahlt.

Dieser Ansatz soll auch das induktive Laden ermöglichen – etwa während einer Rotlichtphase an der Ampel oder an einem Zebrastreifen. Diese Ladungen könnten zwar nur geringe Energiemengen ins Fahrzeug übertragen, „aber bei der Reichweite von Elektroautos zählt jeder Kilometer“, betonen die Kooperationspartner. Dank seiner Micropayment-Funktion sei die Car eWallet in der Lage, auch geringste Zahlungsbeträge zu verrechnen.

Andere Entwickler arbeiten derzeit an einer App namens „Share&Charge“. Mittels dieser sollen Besitzer von privaten Ladesäulen und E-Autofahrer zusammengebracht werden. Die Abrechnung soll wiederum unter Einsatz der Blockchain-Technologie erfolgen. Private Anbieter können ihre Ladestation im System registrieren und Nachfragern online zur Verfügung stellen. E-Autofahrer, die ebenfalls registriert sind, können dann wiederum über die App nach einer freien Lademöglichkeit suchen.

Neben der Nutzung im Kontext der Elektromobilität soll die „automobile Geldbörse“ noch weitere Funktionen erhalten. So soll es möglich sein, die Bezahlung von Autobahnmaut, Park-, sowie Car-Sharing und Lieferservicegebühren abzuwickeln. Die Automatisierung und hohe Funktionalität würde dann ebenfalls durch die Blockchain-Technologie sichergestellt.

Was ist rechtlich zu beachten?

Auch im Bereich der Elektromobilität zeigen sich die typischen, systemimmanenten Spannungsfelder. Diese ergeben sich – im Wesentlichen bedingt durch die Unveränderbarkeit der Blockchain – in zivilrechtlicher Hinsicht. Kauf- und Dienstleistungsverträge können nichtig oder unwirksam sein, was die Blockchain aber nicht erkennt. Hier müsste – gerade bei der Abwicklung im Bereich von Kleinstbeträgen eine Lösung geschaffen werden, die bei Leistungsstörungen allein auf ex nunc – also für die Zukunft – wirkende Korrekturen setzt. Beim Einsatz der Blockchain in technisch innovativem Kontext spielt zudem das Patentrecht eine hervorgehobene Rolle. Die Rechte der Erfinder sind zu wahren. Wie immer spielen auch der Datenschutz und die Wahrung der informationellen Selbstbestimmung eine Rolle. Nicht zuletzt ist die Frage zu klären, wem die Daten gehören, die über ein dezentrales Lade- und Bezahlsystem gewonnen werden. Die Möglichkeit, solche Daten im Sinne von „Big Data“ auswerten zu können, ist ein äußerst werthaltiges Gut.

Insgesamt lässt sich resümieren, dass die Blockchain-Technologie sicherlich helfen kann, den dringend benötigten Ausbau der Infrastruktur für Elektromobilität anzuschieben und die Bezahlvorgänge im System zu vereinfachen. Hier stehen wir jedoch noch am Anfang. Der Gesetzgeber könnte seinen Anteil leisten, indem er für Rechtssicherheit beim Einsatz von Blockchains sorgt.