9
Sep
2017
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Tim Wybitul
Arbeitsrecht, Compliance / Frankfurt
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Tim Wybitul

DSGVO: VG Karlsruhe erlässt erste Entscheidung zur EU-Datenschutz-Grundverordung

Das Verwaltungsgericht (VG) Karlsruhe hat kürzlich die wohl erste deutsche Gerichtsentscheidung zur EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verkündet. Im Kern ging es bei dem Verfahren darum, ob Datenschutzbehörden bereits vor der Geltung der DSGVO Maßnahmen gegen Unternehmen anordnen dürfen, wenn die Behörde der Auffassung ist, dass bereits abzusehen ist, dass ein Unternehmen ab dem 25.05.2018 gegen die DSGVO verstoßen wird. Nach Art. 99 DSGVO ist der kommende europäische Datenschutz zwar bereits in Kraft getreten, gilt aber erst ab dem 25.05.2018. Diese Übergangsfrist soll es Unternehmen und anderen Verantwortlichen ermöglichen, die umfassenden Vorgaben der DSGVO bis zum kommenden Mai umzusetzen.a

Der Landesdatenschutzbeauftragte Baden-Württemberg hatte eine Verfügung gegen eine Auskunftei erlassen. Diese Verfügung begründete die Behörde im Wesentlichen damit, dass spätere Verstöße des Unternehmens gegen die DSGVO bereits jetzt absehbar seien.

Nach § 38 Abs. 5 S. 1 BDSG könne die Aufsichtsbehörde die erforderlichen Maßnahmen zur Gewährleistung der Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorschriften bei der Erhebung, Verbreitung und Nutzung personenbezogener Daten ergreifen. Zwar würde die Behörde keine gegenwärtigen Datenschutzverstöße der Klägerin unterbinden. Vielmehr jedoch sollten Missstände verhindert werden, die nach dem 24.05.2018 zu erwarten seien.

Das VG folgte der Auffassung der Behörde nicht. Eine Ermächtigung für ein Tätigwerden der Aufsichtsbehörde bereits vor Geltung der EU-Datenschutzgrundverordnung sah das Gericht nicht. Es fehle in der DSGVO an einer Ermächtigungsgrundlage, die es der Behörde erlaubte, frühzeitig sicherzustellen, dass die künftig anwendbaren Vorschriften unter Berücksichtigung der Rechtsauffassung der Aufsichtsbehörde durch Verantwortliche eingehalten werde. Eine solche Befugnis lasse sich weder der Verordnung im Wege einer Vorwirkung, noch den aktuell geltenden Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes entnehmen. Die Entscheidung des VG Karlsruhe vom 06.07.2017 ( Az.: 10 K 7698/16) können Sie hier im Volltext abrufen.