4
Sep
2017
Netzwerk

Blockchain – Wie „smart“ sind Smart Contracts?

Wie „smart“ sind Smart Contracts? Mit dieser Frage wollen wir uns in dem nachfolgenden Beitrag aus unserer kleinen Reihe zum Thema Blockchain etwas näher beschäftigen. Nachdem wir uns in unserem letzten Block mit der virtuellen Währung Bitcoin befasst haben, sind die so genannten „Smart Contract“ ein weiterer viel diskutierte Anwendungsfall von Blockchains.

Vor allem im Finanzsektor werden die Vor- und Nachteile wie auch der möglicherweise disruptive Charakter des Einsatzes von Smart Contracts derzeit intensiv gegeneinander abgewogen. Im Bereich FinTech versuchen nicht nur Start-Ups, diese digitale Technologie gewinnbringend einzusetzen, auch die „etablierten“ Finanzinstitute prüfen sehr genau, wo Einsatzgebiete liegen könnten. Dabei ist die Finanzindustrie nur ein Geschäftsfeld, in dem im Zuge der voranschreitenden Digitalisierung geschäftliche Abläufe und Transaktionen zunehmend mittels Smart Contracts abgebildet und abgewickelt werden könnten. Letztlich bietet diese Technologie im gesamten Bereich des eCommerce Optionen zur vereinfachten, dezentralen Geschäftsabwicklung. Die Kunst ist dabei, die Vorteile des Smart Contracts zu nutzen und gleichzeitig Lösungen parat zu haben, um deren Nachteile in den Griff zu bekommen.

Was sind Smart Contracts?

Zunächst ist klarzustellen, dass – anders als der Begriff „Contract“ nahelegen möchte – ein Smart Contract kein Vertrag im zivilrechtlichen Sinne ist. Es handelt sich um einen Software Code, genauer gesagt, um eine ganz konkrete Ausprägung einer Blockchain. Als Vorläufer des Smart Contracts lassen Warenautomaten begreifen, bei denen nach dem Münzeinwurf und der Auswahl des Snickers, Mars oder Milky Ways per Tastendruck der gewünschte Schokoriegel im Ausgabefach landet.

Moderne Smart Contract eignen sich, um zwischen zwei oder mehreren Vertragsparteien in einem Netzwerk dezentral zu definieren, was passieren soll, wenn ein bestimmtes vordefiniertes Ereignis eintritt (Wenn-Dann-Logik). Erfolgt beispielsweise eine zuvor vereinbarte Zahlung, so kann über den Smart Contract die Auslieferung einer im Internet bestellten Ware ausgelöst werden. Andererseits können Aktionen, wie etwa eine Zahlung oder ein Investment, auch dadurch ausgelöst werden, dass eine bestimmte Anzahl von Teilnehmern ihre Zustimmung erklärt. Es lassen sich mit Smart Contracts mithin ohne Weiteres auch komplexe Netzwerk-Entscheidungen abbilden – ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Durch die dezentrale Speicherung der Blockchain ist eine Manipulierung der Entscheidungsprozesse weitestgehend ausgeschlossen.

Man kann sich einen Smart Contract also als eine Datenbank vorstellen, in der die verschiedensten Ereignisse vordefiniert und aneinandergereiht sind. Die Überprüfung, ob ein bestimmtes Ereignis eingetreten ist und daher der nächste „Dominostein“ fallen kann, erfolgt dezentral im Netzwerk. Man spricht hier gemeinhin auch von dem Prozess der „Smart Contract Due Diligence“ (SCDD).

Was ist rechtlich zu beachten?

Smart Contracts weisen naturgemäß die bekannten Nachteile einer jeden Blockchain auf. Sie sind als solches unveränderbar. Dies unterscheidet sie von dem allgemein herrschenden Prinzip des Zivilrechts, dass Verträge einer wertenden Betrachtung zu unterziehen sind. Die Zahl der Gründe, warum ein Vertrag als solches oder eine geschäftliche Handlung in Erfüllung einer vertraglichen Verbindlichkeit nichtig, schwebend unwirksam oder anfechtbar sein kann, ist schier unendlich. Es bedarf einer wertenden Würdigung, ob etwa  tatsächlich ausgetauschte Sach- oder geldwerte zurückgewährt werden müssen. Dies vermag ein automatisiert ablaufender Software Code im Regelfall nicht zu leisten. Es lassen sich im Vorhinein schlicht nicht sämtliche Eventualitäten berücksichtigen und programmieren. Hierzu bedürfte es „Artificial Intelligence“ (AI), also künstlicher Intelligenz. Auch wenn die Entwicklung von Smart Contract in diese Richtung gehen wird – ja gehen muss, wird man mit Stand von heute noch attestieren müssen, dass Smart Contract diese Intelligenz derzeit noch nicht aufweisen.

Aus rechtlicher Sicht interessant ist hier insbesondere die Diskussion um den Einsatz von so genannten „Hard Forks“. Hierbei handelt es sich um einen nachträglichen Eingriff in das bestehende Protokoll einer Blockchain. Das Prinzip der Unveränderlichkeit wird damit aufgebrochen. Dies bedeutet einerseits eine Abkehr von einem Grundprinzip einer jeden Blockchain, erlaubt aber andererseits die Abbildung einer rechtlich bedingten Störung in der Leistungsbeziehung. Werden hier intelligente Lösungen entwickelt, so erweitert sich das Einsatzfeld der Smart Contracts unweigerlich.

Als Fazit lässt sich sagen, dass sich Teile der Abwicklung vertraglicher Geschäftsbeziehungen schon heute sehr gut durch Smart Contracts abbilden lassen. Die systemimmanente Due Diligence kann jedoch die rechtliche Prüfung der Wirksamkeit der vertraglichen Handlungen nicht ersetzen. Smart Contracts haben daher gerade bei der digitalen Abwicklung von Massengeschäften erhebliches Potenzial zur Vereinfachung der Abläufe, sie taugen jedoch bislang noch nicht als autarke „stand alone“-Lösung.