15
Okt
2014

Expo Real 2014 – Gute Stimmung trotz verbleibender Unsicherheiten

Die diesjährige Expo Real und damit die letzte große Zusammenkunft der jährlich stattfindenden Treffen der Immobilienbranche ist vorbei. Jetzt heißt es, sich wieder voll und ganz auf das beginnende Jahresendgeschäft zu konzentrieren und vielleicht sogar auf der Expo Real angestoßene Projekte zu Ende zu bringen. 

Es ist unfassbar, wie dieses Jahr an uns vorbei gerannt ist: Gäbe es nicht die wiederkehrenden Zäsuren,  wie z.B. IHIF, MIPIM, Ostern, Hogan Lovells HotelDay, Expo Real, Weihnachten, dann würden sich die einzelnen Transaktionen nur so aneinanderreihen und man könnte fast den Überblick verlieren, welches Projekt schon abgeschlossen ist und an welcher Transaktion aktuell noch gearbeitet wird.

Die aktuellen Quartalsangaben unserer Beraterfreunde von JLL Hotels, CBRE und Christie, wonach die deutsche Hotelbranche ein Transaktionsvolumen bis Ende September 2014 von über EUR 2 Mrd. umgesetzt hat – das ist so viel wie im ganzen letzten Jahr -, unterstreicht, dass die  Branche allen Grund hat, zufrieden zu sein. Auch wir haben das große Interesse an Hotelinvestitionen dieses Jahr unmittelbar zu spüren bekommen. Nicht ohne einen gewissen Stolz können wir bereits jetzt feststellen, dass wir dieses Jahr an den bis dahin drei größten Portfolio- und an zahlreichen Einzel-Transaktionen unmittelbar beteiligt gewesen sind.

Unsere berufsständischen Vorschriften verbieten es uns, konkret über unsere Mandate zu sprechen. Die von den Maklern geäußerten positiven Aussichten für das verbliebene Jahr, können wir jedoch aufgrund  unserer für die nächsten Monate gut gefüllten Pipeline zumindest abstrakt bestätigen: So arbeiten wir derzeit an einigen Hotelportfolien und an neuen Projekten, die sowohl Refurbishments wie auch Neu-Entwicklungen umfassen. Hier nehmen Franchiseprojekte zwischen Verpächter, Pächter/Franchisenehmer und Franchisegeber einen herausragenden Stellenwert ein. Ganz allgemein ist unser Eindruck, dass das Thema „Franchising“ in Zukunft stark an Bedeutung gewinnen wird. Kurz vor der Expo wurde im Rahmen eines ULI-Leader Circle Hotels angeregt, dass sich die wenigen strategischen Franchisenehmer zusammen setzen, um gemeinsame Probleme und Lösungen zu Franchiseverträgen und Pachtverträgen zu diskutieren. Hierbei wurde ich gebeten, eine solche Sitzung zu organisieren und zu moderieren, um aus meiner bisherigen Praxis die Sicht der Investoren und Banken beizusteuern.

Große Klasse fand ich persönlich, wie sich der World of Hospitality-Stand auf der Expo Real in Halle C2 entwickelt hat (Hut ab, Frau Pütz-Willems). Gemeinsam mit den weiteren Ständen der Hotelbetreiber und Hotelberater in der Nähe diese Standes und mit dem Expo Real Forum zu Hotel-Sonderthemen hat sich dieser Bereich zu einem echten Anlaufpunkt der Hotelbranche entwickelt.  Ich wünsche Frau Pütz-Willems mit Ihrer Idee des Branchenstandes weiterhin viel Erfolg und solides Wachstum. Dieses Konzept kann sicher auch ein Vorbild für andere Asset-Klassen sein, wie z.B. Pflegeheime oder Logistik.

Leider bekommt man natürlich nicht alle „Player“ der Hotelbranche mit einem Stand in C2. So werden wir oft von unseren Mandanten gefragt, ob wir einen eigenen Stand auf der Expo haben. Wir bevorzugen es jedoch, „mobil“ zu bleiben. Denn letztlich ist die Expo Real eine Arbeitsmesse, die „für’s Geschäftemachen da ist, Anwälte braucht man erst später“. Und wenn es dann doch konkreter wird und ein Vertrag verhandelt werden soll oder juristischer Rat gefragt ist, kommen wir gerne zum Stand unseres Mandanten oder seines Vertragspartners. Wie sagte ein Mandant mal so schön: „Wer besucht schon auf der Messe einen Stand einer Anwaltskanzlei?“

Alles in allem war die Stimmung auf der Expo Real und den diversen Abendveranstaltungen (z.B. Hotel Forum Dinner) gut und entspannt, wenngleich auch bei fast jeder Unterredung die Unsicherheitsfaktoren für die Wirtschaft genannt wurden: Ukraine, IS-Terror, Krieg im Nahen Osten und (was leider immer noch weitgehend verdrängt wird) Ebola, um nur einige Risiko-Schauplätze zu nennen.

Abschließend erlauben Sie mir eine Klarstellung in eigener Sache:

Die Immobilienzeitung war in ihrer Expo-Dienstags-Ausgabe so freundlich darauf hinzuweisen, dass Hogan Lovells in vergangenen Pachtvertragsverhandlungen versucht hat, eine sogenannte Expo-Klausel in die Verträge hinein zu verhandeln, wonach der Hotel-Investor einen Anspruch auf die Anmietung von einem Zimmerkontingent von 20 % in seinem Hotel in München während der Expo hat:

Hotelpachtvertrag_IZ

Wenngleich wir immer auf der Suche nach intelligenten und modernen Klauseln für unsere Hybrid-Pachtverträge sind und die Klausel sicher auch von uns hätte stammen können, so möchten wir – immerhin sind wir Juristen und damit Organ der Rechtspflege – der Ordnung halber darauf hinweisen, dass das Urheberrecht für diese Klausel bei einem unserer Mandanten liegt und diesem die Ehre für diese kreative Regelung gebührt. Schade eigentlich, dass an Vertragsklauseln kein Copyright besteht und für Vertragsklauseln keine Lizenzen vergeben werden können; dann würde ich sicher auch einmal einen Musterpachtvertrag veröffentlichen und anschließend nur noch Franchiseverträge in eigener Sache verhandeln. Was dieses Geschäftsmodell angeht, ist die Hotelbranche der Anwaltsbranche deutlich überlegen.

Beste Grüße, Ihr

MW